
Wenn Prävention bares Geld spart – Wie Sie Ihre Versicherungsprämien in den Griff bekommen
Die unbequeme Wahrheit: Versicherungen werden teurer – aus gutem Grund
2024 verursachten Starkregen, Überschwemmungen, Sturm und Hagel in Deutschland versicherte Schäden von 5,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lagen diese Summen noch deutlich niedriger. Branchenexperten rechnen damit, dass sich die Prämien für Wohngebäudeversicherungen innerhalb der nächsten zehn Jahre verdoppeln könnten – wenn wir so weitermachen wie bisher.
Das Problem: Die meisten Versicherer arbeiten seit Jahren mit einer Combined Ratio von über 100 Prozent in der Wohngebäudeversicherung. Auf Deutsch: Die Schadenaufwendungen übersteigen die Prämieneinnahmen. Keine Reserve für die Zukunft, keine Luft nach oben. Und der Klimawandel schickt die Rechnung jetzt.
Aber hier kommt der Knackpunkt: Nicht jedes Gebäude trägt das gleiche Risiko. Und genau das wird für Eigentümer zum Hebel – im positiven wie im negativen Sinne.
Das AWA-Prinzip: Ausweichen, Widerstehen, Anpassen
Schadenprävention folgt einem simplen, aber wirkungsvollen Dreiklang. Stellen Sie sich vor, Wasser ist wie ein ungebetener Gast, der sich seinen Weg sucht:
Ausweichen bedeutet: Gar nicht erst in Gefahr geraten. Klingt banal, aber noch immer werden jährlich rund 1.000 Gebäude in bekannten Überschwemmungsgebieten errichtet. Wer ein Grundstück kauft oder baut, sollte die ZÜRS-Gefahrenklasse kennen – ein Zonierungssystem, das Hochwasserrisiken bewertet. Nur 1,7 Prozent der Gebäude in Deutschland liegen in den höchsten Risikoklassen 3 und 4. Aber: Starkregen kann jeden treffen, auch auf dem Hügel.
Widerstehen heißt: Dem Wasser Grenzen setzen. Hier kommen Dammbalkensysteme, Rückstauklappen und druckwasserdichte Kellerfenster ins Spiel. Eine Rückstauklappe kostet zwischen 300 und 800 Euro – der Schaden durch Kanalrückstau kann schnell das Zehnfache betragen. Übrigens: Ausgetretenes Heizöl aus einer vollgelaufenen Kellerheizung macht bis zu 70 Prozent der Schadenssumme aus.
Anpassen bedeutet: Klug planen. Heizung unters Dach statt in den Keller. Fliesen statt Parkett im Erdgeschoss. Steckdosen höher setzen. Wer neu baut oder saniert, kann mit geringem Mehraufwand Schäden drastisch reduzieren – oder im Ernstfall zumindest den Totalschaden vermeiden.
Konkrete Maßnahmen: Ihre Checkliste für weniger Risiko
Für Hausbesitzer:
- Rückstauklappen in allen Abwasserleitungen einbauen (Pflicht in vielen Bundesländern!)
- Heizungsanlage aus dem Keller verbannen oder zumindest erhöht aufstellen
- Dachrinnen und Abläufe regelmäßig reinigen (verstopfte Rinnen sind Starkregen-Killer Nummer eins)
- Kellerfenster und -türen abdichten oder mit Hochwasserschutzwänden sichern
- Stromversorgung kritischer Systeme (Heizung, Pumpen) höher legen
Für Gewerbetreibende:
- Warenlager nicht im Keller oder Erdgeschoss platzieren
- IT-Infrastruktur in oberen Stockwerken installieren
- Notfallpläne erstellen: Wer macht was, wenn Wasser kommt?
- Versicherungsschutz regelmäßig prüfen – viele Gewerbepolicen schließen Elementarschäden standardmäßig aus
Der Clou: Prävention rechnet sich doppelt
Ja, Schutzmaßnahmen kosten Geld. Aber sie sparen nicht nur im Schadensfall, sondern bereits vorher. Versicherer honorieren nachweisbare Prävention zunehmend mit Prämienrabatten. Wer einen Hochwasserpass vorlegt oder bauliche Maßnahmen dokumentiert, verbessert seine Verhandlungsposition erheblich.
Und dann ist da noch der Faktor Stress: Wer schon mal einen Wasserschaden hatte, weiß, was das bedeutet. Wochen ohne Heizung, Trocknungsgeräte, die dröhnen wie Flugzeugturbinen, Handwerkertermine ohne Ende. Allein die Nerven, die Sie sich sparen, sind Gold wert.
Nicht warten, bis das Wasser kommt
Die Realität ist: Nur 41 Prozent der Haushalte in Deutschland haben eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen. Viele wiegen sich in falscher Sicherheit – „uns kann nichts passieren, wir wohnen ja nicht am Fluss“. Bis der Starkregen kommt. Der kennt keine Gefahrenzonen.
Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät, aktiv zu werden. Prävention ist kein Hexenwerk, sondern eine Kombination aus gesundem Menschenverstand, ein paar hundert Euro Investment und der richtigen Beratung. Am Ende entscheidet die richtige Strategie über Erfolg oder Misserfolg – und darüber, ob Sie ruhig schlafen können, wenn draußen der Regen prasselt.
