
Elementarschäden 2025: Warum die Ruhe vor dem Sturm trügt
Rekordniederschläge, aber wenig Schäden – ein Paradox?
Die Zahlen scheinen zunächst widersprüchlich. Der Deutsche Wetterdienst meldet für den Zeitraum von Juli 2023 bis Juli 2024 die niederschlagreichste 12-Monatsepisode seit Messbeginn 1881. Trotzdem blieben die versicherten Schäden im ersten Halbjahr 2025 mit rund einer Milliarde Euro deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Zum Vergleich: 2023 kosteten Naturgefahren die Versicherer noch 5,6 Milliarden Euro.
Diese scheinbare Entspannung hat jedoch einen Haken. Die niedrigen Schadenszahlen bedeuten nicht, dass die Gefahr gebannt ist. Im Gegenteil: Versicherungsexperten rechnen damit, dass sich die Schäden infolge des Klimawandels bis 2050 mindestens verdoppeln werden.
Die Versicherungslücke: Ein unterschätztes Risiko
Hier wird es für Hausbesitzer brisant: Nur 54 Prozent aller deutschen Privathäuser sind gegen Elementarschäden versichert. Viele Eigentümer wiegen sich in falscher Sicherheit nach dem Motto: „Wir wohnen nicht am Fluss, uns kann nichts passieren.“ Ein fataler Trugschluss, denn Starkregen kann überall auftreten – selbst auf dem Berg.
Die regionalen Unterschiede sind beträchtlich. Während Baden-Württemberg mit 94 Prozent Spitzenreiter bei der Versicherungsdichte ist, dümpeln Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern bei mageren 35 Prozent. Ausgerechnet Niedersachsen meldete 2023 mit 15.000 Fällen die viertmeisten Elementarschäden bundesweit.
Positive Entwicklungen: Wo das Bewusstsein wächst
Erfreulich ist die Entwicklung in einigen Bundesländern. Das Saarland führt die Aufholjagd an: Von nur 12 Prozent Versicherungsdichte im Jahr 2012 auf 49 Prozent in 2023 – ein Zuwachs von 37 Prozentpunkten. Auch Hessen (+33 Prozentpunkte) und Rheinland-Pfalz (+31 Prozentpunkte) holen kräftig auf.
Diese Entwicklung zeigt: Das Bewusstsein für Naturgefahren wächst, allerdings längst nicht schnell genug.
Was Hausbesitzer jetzt wissen müssen
Elementarschäden umfassen mehr als Hochwasser: Überschwemmung, Rückstau, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch, Schneedruck, Lawinen und Vulkanausbrüche fallen darunter. Die normale Wohngebäudeversicherung deckt nur Sturm, Hagel und Blitz ab.
Der Baupreisindex steigt: Zum 1. Januar 2025 erhöhte sich der Index auf 21,924 – ein Plus von fast drei Prozent. Das bedeutet automatisch höhere Prämien in der Wohngebäudeversicherung, da sich die Versicherungssummen entsprechend anpassen.
Rückstausicherung ist Pflicht: Ohne funktionstüchtige Rückstausicherung können Schäden durch Rückstau vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sein. Hier lauert eine tückische Falle für Hausbesitzer.
Die Politik reagiert – aber langsam
Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sieht vor, dass Neuverträge in der Wohngebäudeversicherung nur noch mit Elementarschadenabsicherung angeboten werden sollen. Bestehende Policen sollen bis zu einem Stichtag erweitert werden – mit Opt-out-Möglichkeit nach entsprechender Belehrung.
Die Versicherungswirtschaft fordert statt einer Pflichtversicherung eine Opt-out-Lösung kombiniert mit verbindlicher Prävention und staatlicher Partnerschaft bei Extremrisiken. Der Grund: Eine reine Pflichtversicherung würde zu „explodierenden und letztlich unbezahlbaren Prämien“ führen.
Unser Rat für die Praxis
Sofort handeln: Warten Sie nicht auf politische Entscheidungen. Die nächste Hochwasserkatastrophe kommt bestimmt – nur wann und wo, ist ungewiss.
Bestehende Verträge prüfen: Schauen Sie in Ihren Versicherungsschein. Sind Elementarschäden explizit erwähnt? Falls nicht, fordern Sie umgehend ein Angebot an.
Präventionsmaßnahmen beachten: Rückstausicherungen, hochwasserangepasstes Bauen und wassersensible Infrastruktur reduzieren nicht nur Schäden, sondern können auch Prämien senken.
Regionale Besonderheiten berücksichtigen: Je nach Bundesland variieren Risiken und Versicherungsdichte erheblich. Eine individuelle Beratung berücksichtigt diese lokalen Gegebenheiten.
Die trügerische Ruhe des ersten Halbjahrs 2025 sollte niemanden in Sicherheit wiegen. Denn wie ein altes Sprichwort sagt: Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser. Wer jetzt handelt, ist für die nächste Naturkatastrophe gewappnet – wer wartet, zahlt möglicherweise einen hohen Preis.
Die Natur kennt keine Gnade mit unvorbereiteten Häusern. Aber sie belohnt die Weitsicht derjenigen, die rechtzeitig vorsorgen.