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E-Scooter im Berufsverkehr: Clever gependelt – oder Risiko übersehen?

Die unterschätzte Gefahr: Wenn aus 20 km/h Ernst wird

E-Scooter haben sich als praktische Alternative etabliert – rund 2 Millionen privat genutzte Modelle rollen durch Deutschland. Was im Alltag so unkompliziert wirkt, hat es rechtlich in sich: Die Haftpflichtversicherung ist nicht optional, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Wer ohne Versicherungsschutz erwischt wird, begeht eine Straftat nach § 6 Pflichtversicherungsgesetz – das kann mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden. Im Schadensfall kommt die persönliche Haftung ohne Obergrenze noch obendrauf.

Die Realität zeigt: Bei Personenschäden werden schnell fünf- bis sechsstellige Summen fällig. Ein Fußgänger stolpert über Ihren abgestellten Scooter am Firmengelände und bricht sich den Arm? Ohne Versicherung zahlen Sie Behandlung, Verdienstausfall und Schmerzensgeld aus eigener Tasche. Das Bundesjustizministerium plant zudem eine Haftung für vermutetes Verschulden – Das bedeutet, dass sie haften, wenn sie sich nicht entlasten können. Wer hat schon eine Dashcam an seinem Scooter? Ich nicht…

Wegeunfall: Gut zu wissen für Pendler

Positive Nachricht für alle, die täglich mit dem E-Scooter zur Arbeit fahren: Der Arbeitsweg ist über die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt. Stürzen Sie auf dem direkten Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, übernimmt die Berufsgenossenschaft Behandlungskosten und Reha-Maßnahmen.

Aber Achtung: Der Schutz endet bei privaten Umwegen (Supermarkt-Abstecher) oder regelwidrigem Verhalten (Gehwegnutzung, wo verboten). Auch bei „typischen Scooter-Gefahren“ wie Lenkungsfehlern sehen manche Gerichte die Sache kritisch. Die gesetzliche Unfallversicherung deckt zudem keine Sachschäden am eigenen Fahrzeug ab – hier kommt die Teilkasko ins Spiel.

Teilkasko: Sinnvoll oder überflüssig?

Bei Kaufpreisen von 500 Euro und darüber lohnt sich der Blick auf die Teilkasko. Die polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnete 2024 bundesweit 22.500 E-Scooter-Diebstähle – die Aufklärungsquote liegt unter 10 Prozent. Für rund 15 bis 30 Euro Mehrkosten pro Jahr sichern Sie Diebstahl, Brand und Unwetterschäden ab. Wer sein Gefährt täglich unbeaufsichtigt am Firmenparkplatz stehen lässt, sollte hier nicht am falschen Ende sparen.

Kostencheck: Was zahlt man wirklich?

Eine E-Scooter-Haftpflicht gibt es bereits ab 24,80 Euro pro Jahr (für Fahrer ab 25 Jahren). Die Deckungssumme liegt je nach Anbieter bei 50 bis 100 Millionen Euro. Zum Vergleich: Ein ÖPNV-Jahresticket kostet in Ballungsräumen schnell 700 bis 1.000 Euro. Wer bei passendem Arbeitsweg den Scooter nutzt, spart langfristig – sofern die Versicherung stimmt. Die Sache rechnet sich also nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell.

Checkliste für Scooter-Pendler

  • Versicherung jährlich erneuern: Das Versicherungsjahr läuft vom 1. März bis 28./29. Februar
  • Plakette sichtbar anbringen: Am Heck unter der Schlussleuchte
  • Teilkasko bei Wert über 500 Euro erwägen
  • Keine privaten Umwege auf dem ansonsten versicherten Arbeitsweg

Fazit: Klein, aber oho

Der E-Scooter ist kein Spielzeug, sondern vollwertiges Verkehrsmittel – mit allen rechtlichen Konsequenzen. Die richtige Versicherung kostet weniger als ein durschnittliches Mittagessen im Restaurant nebenan, schützt aber vor existenziellen Risiken. Wer morgens entspannt durch die Stadt gleitet, sollte auch beim Versicherungsschutz entspannt bleiben können.