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Das unterschätzte Haftungsrisiko im Homeoffice

Montag, 9 Uhr. Ein Mitarbeiter sitzt an seinem heimischen Schreibtisch, das Firmenlaptop geöffnet, Kaffee dampft. Er dreht sich um, um ein Dokument aus dem Drucker zu nehmen – und reißt dabei das Gerät des Kunden vom Tisch, das er zur Reparatur mitgenommen hatte. Schaden: 1.200 €. Jetzt die spannende Frage: Wer zahlt eigentlich?

Genau diese Frage stellen sich erstaunlich wenige Unternehmen. Homeoffice ist für rund 24,5 % der Beschäftigten in Deutschland längst fester Alltag – aber die versicherungsrechtliche Hausaufgabe wurde bei vielen nie gemacht.

Drei Haftungsszenarien, die niemand auf dem Radar hat

Der Teufel steckt, wie so oft, im Detail. Im Homeoffice entstehen Schadenssituationen, die weder klar privater noch klar betrieblicher Natur sind – und genau dort wird’s ungemütlich.

Szenario 1: Schaden an Firmeneigentum
Der Laptop fällt vom Tisch – aber war der Mitarbeiter gerade beruflich oder privat beschäftigt? Bei einer beruflichen Tätigkeit trägt der Arbeitgeber den Schaden vollständig, sofern dem Mitarbeiter nur leichte Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist. Bei mittlerer Fahrlässigkeit wird anteilig geteilt, bei grober Fahrlässigkeit haftet der Mitarbeiter. Klingt einfach – ist es aber selten.

Szenario 2: Dritte kommen zu Schaden
Der Paketbote stolpert über den herausragenden Verlängerungskabelstecker vor der Haustür, weil der Mitarbeiter ein Firmenpaket erwartet. Wer haftet? Grenzwertig. Die private Haftpflicht des Mitarbeiters lehnt häufig ab, wenn ein beruflicher Zusammenhang besteht. Die betriebliche Haftpflicht des Arbeitgebers greift – sofern sie entsprechend ausgestaltet ist.

Szenario 3: Datenpanne durch ungesicherten Arbeitsplatz
Vertrauliche Kundenunterlagen liegen offen auf dem Küchentisch, als die Tochter vorbeiläuft. Im Außenverhältnis gegenüber dem betroffenen Kunden haftet der Arbeitgeber – unabhängig davon, ob der Mitarbeiter im Homeoffice nachlässig war. Im Innenverhältnis kann der Arbeitgeber bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz Regress nehmen.

Was Arbeitgeber jetzt konkret prüfen sollten

Die gute Nachricht: Die gesetzliche Unfallversicherung wurde 2021 deutlich verbessert – Mitarbeiter im Homeoffice sind inzwischen genauso abgesichert wie im Betrieb, auch bei Wegen in die Küche oder zur Toilette. Die schlechte Nachricht: Das löst das betriebliche Haftungsrisiko kein bisschen.

Folgende Punkte verdienen eine gründliche Bestandsaufnahme:

  • Betriebshaftpflicht: Deckt die Police explizit Schäden ab, die im Homeoffice entstehen? Viele Standardpolicen sind auf den Betriebsstandort ausgelegt – und schweigen zur Privatadresse des Mitarbeiters.
  • Homeoffice-Vereinbarung: Gibt es schriftliche Regelungen zur Nutzung von Firmeneigentum, zum Datenschutz und zur Haftungsverteilung? Ohne Vereinbarung gelten die allgemeinen BGB-Regeln – mit einer Haftungsobergrenze von: keine.
  • Arbeitsmittel: Wer stellt was bereit? Nutzt der Mitarbeiter private Hardware für berufliche Zwecke (BYOD), entstehen zusätzliche Graubereiche bei Schäden und Datenschutz.
  • IT-Sicherheit: Der Arbeitgeber trägt die Verantwortung für eine sichere Infrastruktur auch im Homeoffice – VPN, verschlüsselte Verbindungen, gesicherte Zugänge.

Was Mitarbeiter im Homeoffice wissen sollten

Auch auf Arbeitnehmerseite lohnt ein kurzer Selbstcheck:

  • Private Haftpflicht überprüfen: Viele Tarife schließen berufliche Tätigkeiten ausdrücklich aus. Wer regelmäßig im Homeoffice arbeitet, sollte prüfen, ob der Vertrag eine entsprechende Klausel enthält.
  • Arbeitsplatz sichern: Dritte dürfen keinen Zugang zu Arbeitsmitteln oder Unterlagen haben. Das gilt auch für Familienmitglieder.
  • Privates von Beruflichem trennen: Wer privat im Internet surft und sich dabei einen Virus einfängt, haftet selbst – auch wenn er das Firmennetzwerk nutzt.

Fazit

Das Homeoffice ist aus der modernen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Aber wie ein schlafender Vulkan – ruhig im Alltag, gefährlich im Ernstfall – können ungeklärte Haftungsfragen erheblichen Schaden anrichten. Wer seine betriebliche Absicherung nicht regelmäßig auf den Homeoffice-Alltag abstimmt, verlässt sich auf Glück statt auf Strategie.

Wer rechtzeitig handelt, hat die besseren Karten.


Autor: Frank Gerauer, Versicherungsfachwirt – redaktionell verantwortet, KI-unterstützt erstellt